Kategorie-Archiv: Subjektive Imperative

Subjektive innere Sollvorstellungen

Die Ursache von Gedankenschleifen oder Denkknoten liegen aus Sicht der Introvision häufig in einer Verkettung subjektiver innerer Sollvorstellungen (oder auch Zielen und Erwartungen), die subjektiv sehr eng mit einem Gefühl von MUSS oder DARF NICHT verbunden sind.

Solche subjektiven Imperative können auch latent da sein, ohne dass sie Sie in Stress versetzen. Weil der Auslöser des Gefühls gerade nicht aktuell ist.

Ein Beispiel:

Sie haben z.B. Prüfungsangst.

Liegt die Prüfung noch in weiterer Ferne, kann es sein, dass es nur zu einem leichten Gefühl des Unwohlseins kommt bei dem Gedanken an dieses noch in weiter Ferne liegenden Ereignisses.

Rückt der Termin jedoch langsam näher, steigt die innere Anspannung und Aufregung ebenfalls langsam an. Bis zum anstehenden Termin können Konzentrationsstörungen, Denkblockaden, Schweißausbrüche, Herzrasen, Tunnelblick und ein Gefühl von Ausgeliefertsein auftreten.

Bei näherer Betrachtung, was Ihnen beim Gedanken an die Prüfung durch den Kopf geht, Gedanken, wie z.B.: „Ich darf in dieser Prüfung nicht aufgeregt sein! Es darf mir nicht passieren, dass ich da herum stottere und alles vergesse, was ich vorher konnte!!“ auftauchen.

Subjektive Inperative zeigen sich häufig bei näherer Betrachtung in einer Art Kettenstruktur:

Ich darf in dieser Prüfung nicht aufgeregt sein! Immer wenn ich aufgeregt bin und vor anderen Leuten reden muss, stottere ich herum und vergesse alles, was ich gerlernt habe!

Wenn ich in dieser Prüfung herum stottere und nichts mehr weiß, dann ist das nur peinlich!

Wenn die Leute mich peinlich finden, dann habe ich versagt!

Wenn ich versage, dann bin ich nichts wert.

Wenn ich nichts wert bin, dann bin ich allein und verlassen!

Und das darf nicht sein!

Der zugrunde liegende sog. Kernimperativ (in diesem Beispiel: „Ich darf nicht allein und verlassen sein!„) ist meist ein ganz anderer, als der, der den eigentlichen inneren Konflikt scheinbar ausgelöst hat. Der Auslöser war ’nur‘ die Spitze des Eisbergs.

Mit dem Kernimperativ sind in der Regel sehr unangenehme Gefühle, körperliche Empfindungen, Erinnerungen, Gedanken, Bilder etc. gekoppelt. Kernimperative haben häufig eine tiefenpsychologische Qualität und sind bei jedem Menschen anders.

Gelingt es nun, mit Hilfe von KAW und Introvision den entsprechenden Kernimperativ vorsichtig zu entschlüsseln und konstatierend aufmerksam wahrzunehmen, was mit ihm gedanklich, emotional oder auch auf anderen Sinnesebenen unangenehm verbunden ist, löst sich in vielen Fällen der ‚oben‘ liegende Konflikt (manchmal sehr schnell und leicht, manchmal über einen längeren Zeitraum) auf.

(Lesen Sie hierzu: A. C. Wagner, 2011, Gelassenheit durch Auflösung innerer Konflikte, Kohlhammer)

 

Das „MussDarfNicht-Syndrom“

Das sog. „MussDarfNicht-Syndrom“ bezeichnet einen Zustand des ständigen Gedankenkreisens ohne Lösungsmöglichkeit aufgrund bestimmter subjektiver (Soll-)Vorstellungen, die das Weiterarbeiten des Lösungsprozesses blockieren.

Die Verarbeitung Ihres Problems hat sich ‚aufgehängt’ in einer Art ‚Dauer-Denk-Schleife‘.

So können Sie zu keiner Lösung kommen.

Die subjektive Vorstellung, dass etwas Bestimmtes nicht passieren darf oder unbedingt sein muss, hält Sie in bestimmten inneren Konfliktsituationen von einer Lösung des Problems oder einem Weiterkommen fern.

Das können Gedanken sein, wie
„So darf ich nicht denken!“
„Ich muss das aber schaffen!“ respective „Es darf nicht sein, dass ich das nicht schaffe!“
„Es darf nicht sein, dass das und das passiert!“
„Ich muss einen guten Eindruck machen!“
„Die anderen dürfen nicht schlecht von mir denken!“
„Es muss funktionieren!“
„Wenn ich das nicht so und so hinbekomme, dann passiert etwas Schlimmes und das darf auf keinen Fall geschehen!“
etc.

Diese subjektiven inneren Sollvorstellungen sind meist mit noch tiefer sitzenden weiteren subjektiven Vorstellungen verbunden, die wiederum an unangenehme Erinnerungen, Gedanken, Gefühle, Bilder, Geräuschen etc. gekoppelt sind.
Diese gilt es mit Hilfe der Introvision zu erkennen, aufmerksam wahrzunehmen, zu entschlüsseln und bestenfalls auf zu lösen.

(Wagner, A. C. (2011). Gelassenheit durch Auflösung innerer Konflikte. 2. vollst. überrag. Auflage, Kohlhammer)